Die Bischöfe Mixa, Laun, Küng und der Rest der patriarchal-konservativen Bande sind sich einig: Frauen sind aufgrund ihrer Natur nur und ausschließlich zum Kinderkriegen (und zur Aufzucht) bestimmt und jeder Versuch, diesem biologischen Gesetz zu entkommen, muss unweigerlich scheitern. Zudem würden auch so genannte Experten, „bis hinein in die Gehirnforschung“ zustimmen, dass ein Kind in den ersten Lebensjahren vor allem „die Mutter braucht“ (Andreas Laun, 26.02.2007, ZIB 2).
Die Liste der Unterstellungen ist lang: Frauen sind klein und schwach und können daher nicht annähernd soviel leisten wie Männer, Frauen haben wenig Testosteron im Blut und sind deshalb nicht annähernd so durchsetzungsfähig wie Männer, Frauen sind wankelmütig und dumm, können darum nicht annähernd so geniale geistige Werke vollbringen wie Männer, … Fortsetzung möglich. Und all das, weil es angeblich ihrer Natur entspricht.
„Alles, was die Männer über die Frauen geschrieben haben, muss verdächtig
sein, denn sie sind zugleich Richter und Partei.“ Poulain de la Barre
Der Biologismus ist nichts weiter als ein Instrument zur Verteidigung der patriarchalen Herrschaft und der gesellschaftlichen Hegemonie der Männlichkeit und macht dabei die Wissenschaft zur Mittäterin.
Wie alle Wissenschaft versucht auch die Biologie Normen zu definieren und grenzt damit davon divergierende Abweichungen, Ausnahmen, Abarten ab und zumeist auch aus. Wobei etwa die Definition von „Frau“ bereits eine willkürliche – wenn auch interessierte – Setzung darstellt, die dem hegemonialen männlichen Blick folgt.
Was macht denn demnach eine Frau zur Frau? Ist es tatsächlich – wie von BiologistInnen unterstellt - die Fähigkeit, Kinder zu gebären? Was ist dann mit einer achtjährigen, einer achtzigjährigen, einer Frau, deren Uterus entfernt wurde?
Deutlich wird an diesem Beispiel, dass nicht nur das soziale, sondern auch das biologische Geschlecht ein Konstrukt ist, das diskursiv hergestellt wird und nicht losgelöst von gesellschaftlicher Definitionsmacht gesehen werden kann.
„Die definitorische Unvollständigkeit der Kategorie [Frau(en)] könnte als normatives Ideal dienen, das von jeder zwanghaften Einschränkung befreit ist“ Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter
Biologismus ist dementsprechend immer frauenfeindlich, auch dann noch, wenn es Frauen gelingt, in seiner Logik einmal Definitionsmacht zu reklamieren und Begriffe umzucodieren. Letztendlich legitimieren sie damit wieder nur den biologistischen Diskurs und liefern sich seiner Logik aus.
Das zeigt sich überdeutlich, wenn etwa ein Walter Mixa sich gegen Kinderbetreuungsplätze ausspricht, weil deren Vorhandensein frau zur „Gebärmaschine“ degradieren würde, und sich damit eines feministischen Schlagworts bedient, das ursprünglich das genaue Gegenteil meinte: Wenn nämlich Frauen nicht die Freiheit haben, sich für Kind, Job oder Beides zu entscheiden, sondern durch konservative Familienpolitik auf ihre Gebärfähigkeit reduziert werden.
‚Frau-Sein’ ist aber, ebenso wie ‚Mann-Sein’, ein diskursives Konstrukt und hat nichts mit Natur zu tun. Dagegen gilt es, die Norm im Namen der Vielfalt anzugreifen und dabei gleichzeitig transparent zu machen, dass geschlechtsbedingte Benachteiligungen nicht aus „natürlichen“ Differenzen erwachsen, mithin keine Naturgesetze sind. Oder anders ausgedrückt: Auf zum Kampf gegen die männliche Norm!
In: Lili - Boulevardblatt der Linken Liste - KSV Wien, März 07, Nr. 2