Wir machen unsere Uni und unseren Lebensraum selbst

Montag, 30. April 2007 @ 11:21

Der Campus ist Konsumzone.
Im Hof 1 des Universitätscampus' herrscht Kommerz und Kontrolle. Er ist abwechselnd Merchandisingarea und Gastgarten – Hunde, Ballspielen, in der Wiese liegen, lärmen und musizieren ist verboten. Das Personal privater Sicherheitsfirmen verrichtet seit Frühling diesen Jahres auch tagsüber ihr Geschäft im Campus, sorgt auf seinen Kontrollgängen für Ordnung und vertreibt Menschen mit Frisbee und Ball. Dieses Phänomen schwappt auch auf die anderen Höfe über. Der Hof 2 zwischen den Hörsaal- Glaspalästen, mit seinem japanischen Garten und dem prächtig blühenden Naturdenkmal- Baum, dessen Betreten verboten ist, bot bisher immerhin eine Marketing- und Standlfreie Zone. Als nächstes wird womöglich noch das unbegründete Stehenbleiben und das Verweilen ohne Konsumieren auf dem Universitätscampus verboten.

Das Alte AKH ist wieder klinisch rein und keimfrei.
Es ist nicht gestattet, Plakate – auch nur vorübergehende Wegweiser, Veranstaltungsankündigungen, etc. - an den Wänden oder Denkmälern zu befestigen. Auch ist außer im Bundeskanzleramt wohl nirgends ein Graffiti so schnell wieder verschwunden als in Hof 1 des Universitätscampus'. Reinigungskräfte müssen mit ätzenden Flüßigkeiten sogar den Asphalt von Farbspuren reinigen.

Das Plakatieren ist auch in den heiligen Unihallen verboten, es wird auf die immer schwindenderen Pinwände verwiesen. Auf die neuen Tafeln vor den Hörsälen, dürfen nur mit Stempel besiegelte Mitteilungen von MitarbeiterInnen der Universität geklebt werden.

Illegale Flugzettel
In der Uni ist das „Prospektausteilen“ illegal, auch wenn Veranstaltungen der Studierendenvertretung ÖH oder in ÖH- Kooperation beworben werden. Sicher nicht zufällig werden kritische Vereine wie der Kulturverein Kanafani mit Geldstrafen bedroht, um sich an der "Reinigung" von den Flugis zu beteiligen.

Law and order
Obdachlose Menschen dürfen sich nicht in den Gängen der Universität aufhalten und werden von Securities, die teilweise sogar Schußwaffen tragen, vertrieben. Die Schusswaffe ist deshalb ein heikles Detail, denn die dürften Securities eigentlich nicht tragen in der Uni, außer sie haben die ausdrückliche Genehmigung vom Rektorat. StudentInnen und ihre Projekte, sozial Schwächere und alle nicht Kaufkräftigen sind nicht erwünscht in der Uni.

Nazis welcome?
Herzlich willkommen sind jedoch die zahlenden Gäste, die Veranstaltungen und Vorträge aller Art, für die ja auch alles so sauber und rein gehalten werden muss. Am 28. März war eine Veranstaltung der rechten Anti- EU – Partei „Neutrales Freies Österreich“, der laut DÖW (Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands) Verbindungen mit neonazistischen Gruppierungen nachgesagt werden, im Hörsaal D am Campus angemeldet.
Die Demonstration gegen diese Veranstaltung, wurde von der WEGA (Wiener Einsatz Gruppe Alarmabteilung) brutal geräumt.

Stay out
Das ist der ständig vor sich gehende, diskriminierende Ausschluss von Teilen der Bevölkerung durch die Uni. Nicht mehr nur durch die Barrieren des Bildungssystems und die Zugangsbeschränkungen aller Art werden Menschen von der Institution Universität fern gehalten. Auch im physischen Raum Uni wird selektiert.
Dazu kommt das Ausspielen prekärer Personengruppen gegeneinander – Reinigungskräfte, die um ihren Job fürchten gegen plakatierende StudentInnen, die sich ihren Lebens- und Arbeitsraum aneignen.
Wenn man durch die Universität geht ist für die StudentInnen, die HauptakteurInnen dieser ollen Hütte kein Freiraum, kein Raum für Eigeninitiave, Kreativität und Gestaltung des eigenen StudentInnendaseins vorzufinden.
Das Unternehmen Uni und die Diktatur des Rektorats befehlen: schnell Studieren, viel Konsumieren und sich dabei voll und ganz den Regeln des totalen freien Marktes unterwerfen.

KSV- LiLi fordert als Teil der ÖH und der studentischen Unruheherde alle MitstudentInnen auf, sich nicht diesen Regeln zu beugen, ihre Uni wieder anzueignen, selbst zu gestalten, Freiräume zu erkämpfen, solidarisch mit minorisierten Gruppen zu handeln und zivilen Ungehorsam zu praktizieren.

UNI FORMEN? JA! UNIFORMEN? NEIN!

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