Ein Aufruf von Roland Steixner
(Kandidat des KSV-LiLi an der Universität Innsbruck)
Liebe Studentin, lieber Student!
Als Kommunist bin ich der
Ansicht, dass Politik sich nicht
unbedingt in Gremien abspielen,
sondern vielmehr von den
Betroffenen selbst erarbeitet
werden sollte. Dennoch kandidiere
ich für den „KSV-LiLi“.
Warum wirst Du jetzt berechtigt
fragen: Soeben hatte ich die
zweifelhafte Ehre, eine
Wahlkampfbroschüre des RFS
(Ring Freiheitlicher Studenten)
in Händen zu halten, was mich
auch dazu bewogen hat alle Studierenden
dazu aufzurufen, sich
an der Wahl zu beteiligen, damit
faschistische Kräfte auch in
Zukunft keine Chance mehr auf
dem Campus haben. Noch nicht
lange ist es her, dass schlagende
Burschenschaften beträchtlichen
Einfluss auf die Universitätspolitik
ausübten. Noch
immer haben Nazis und reaktionäre
Kräfte auf der Uni viel
zu viel zu sagen.
Ich will Dir den Inhalt der
Broschüre und meine Meinung
dazu nicht vorenthalten:
Wer den Folder in die Hand
bekommt, sieht zunächst ein
Bild, das sich auch auf den
RFS-Plakaten findet: Drei Pfeile
nach links ein großer nach
rechts. Die politische Konnotation
wird anhand der Wahlplakate
deutlich. Die Politik der
bisherigen Interessensvertretung
ist dem RFS zu links (d.h.
zu antifaschistisch, zu egalitär
zu antielitär, zu sehr auf die Interessen
von Ausländern, Homosexuellen,
Transgendern,
Frauen etc. ausgerichtet (für die
unvollständige Aufzählung bitte
ich vielmals um Entschuldigung)).
Offenkundig will sich der
RFS diesmal die Verteidigung
der „Meinungsfreiheit“ auf die
Fahnen schreiben, die angeblich
von der „Political Correctness“
bedroht sei. Dazu ist
folgendes zu sagen: Abgesehen
von der Tatsache, dass in dem
vom RFS präferierten politischen
System für abweichende
Meinungen erst recht kein Platz
ist, ist zu bemerken dass faschistische
Äußerungen nicht unter
dem Deckmantel der Meinungsfreiheit
toleriert werden
können. Als Kommunist erkenne
ich das Recht eines jeden
Menschen auf körperliche und
seelische Unversehrtheit an (etwas
dergleichen ist auch in den
Menschenrechtskonventionen
festgehalten). Dazu gehört eben
auch, dass sich kein Mensch
Diffamierungen und Beschimpfungen
aufgrund seiner
Hautfarbe, Geschlechts, Sexueller
Orientierung und religiöser
Überzeugungen udgl. gefallen
lassen muss. Faschismus,
Rassismus, Antisemitismus,
Sexismus, Heterosexismus zu
dulden heißt, fundamentale
Menschenrechte zu missachten.
Zur „Frauenpolitik“ sei noch
folgendes zu bemerken: Schön,
dass der RFS das Thema
„Frauenpolitik“ im Wahlkampf
behandeln will.
Zwei Sätze des RFS- Folders
sind hier zu behandeln: „Außerdem
empfinden wir es als eine
Herabwürdigung, Frauenpolitik
auf die angebliche
sprachliche Diskriminierung zu
reduzieren“. Mag sein dass das
Binnen-I nicht auf ungeteilte
Zustimmung stößt. Über die
„angebliche“ Diskriminierung
der Frauen in der deutschen
Sprache würde ich als
Indogermanist und Sprachwissenschaftler
mit einem schmissigen
Vertreter des RFS eine
tiefgreifende Unterhaltung führen.
„Die linke Gleichmacherei
hat zu einem fatalen Geburtenrückgang
geführt.“ Dieser Satz
findet sich wenige Zeilen nach
der angeblichen Reduktion der
Frauenpolitik auf „angebliche
sprachliche Diskriminierung“.
Soso, darauf darf Frauenpolitik
offenbar reduziert werden, auf
die Beibehaltung der „naturgegebene
Funktion der Geschlechter“
also.
Die Rückseite dieses RFSFolders:
Offenkundig will der
RFS mit dem „Mist [sic!] der
Gleichmacherei“ aufräumen
und linkes Gedankengut entsorgen
wollen. Die Assoziation,
die mir zu Mist einfällt ist, dass
er braun ist.
Daher rufe ich alle Student-
Innen auf sich rege an der Wahl
zu beteiligen und dem braunen
Mist zu zeigen, dass er auf der
Uni nichts mehr verloren hat.
Viele Fraktionen wie VSStÖ
und GRAS stellen sich offen
gegen Faschismus und Rassismus.
Wer zudem jedoch eine systemkritische
Alternative will,
die den Kapitalismus offensiv
in Frage stellt, ist gut beraten
KSV-LiLi zu wählen.
Zeigen wir den Faschisten,
dass sie in der ÖH nichts verloren
haben, weil wir Studis sie
dort nicht haben wollen!