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 Freitag, 18. Mai 2012 @ 18:29

Linz: Turmkommers sprengen!

   

AntifaGegen Deutschnationalismus, Heldentum und Vaterland. Gegen Sexismus, Antisemitismus, Rassismus und völkische Kacke.
Türme, Grenzen, Faschos sprengen!



In Linz wird am 6.10. im Rahmen des „Turmkommerses“ 130 Jahre akad. Burschenschaft „Arminia Cernowitz zu Linz“ und 90 Jahre „Burschenschafterturm“ (Bild rechts) gefeiert.

Dieser Burschenschafterturm, ein paar Kilometer donau- aufwärts auf der Linzer Seite, direkt an der Straße gelegen, ist „steinerne Anschlusspropaganda“ und im Besitz der „Vereinigung Alter Burschenschafter OÖ“, alte Herren der „Deutschen Burschenschaft Österreich“. Die Arminia ist die relevanteste akademische Burschenschaft in Linz und gehört zum rechten Flügel. Burschenschaften sind schon immer traditionell das Bindeglied zwischen legalem Rechtsextremismus (FPÖ) und militantem Rechtsextremismus (Neonazimus – BFJ, etc.). Auch waren sie in letzter Zeit vermehrt Auffangbecken für Neonazis, intellektueller Pool der FPÖ, etc.

Der "Anschlussturm"

"Der Linzer „Burschenschafter-„ oder „Anschlussturm“ wurde am 3. 12. 1917 vom Verband Alter Burschenschafter Österreichs in Linz gekauft, als Denkmal für die gefallenen Burschenschafter der Ostmark. 1928 kam dem ganzen aber ein anderer (großdeutscher) Charakter zu: der Turm sollte ausgebaut werden - „In Würdigung des Umstandes, dass dem Denkmal an dieser Stelle als Werbung für den burschenschaftlichen und völkischen Gedanken" sei und "zur Versinnbildlichung (...) der geistigen und kulturellen Einheit des deutschen Volkes.“

Im Sommer 1932 wurde das Denkmal als Ausbau eines alten Festungsturmes fertiggestellt; am 15./16. 10. 1932 feierlich eröffnet; in der „Festschrift“, welche anlässlich seiner „Weihe“ erschien, ist – stets mit Blick aufs „Altreich“ – wiederholt vom „Anschlußturm“ die Rede.

Bis heute dient der „Anschlussturm“ dem völkischen (deutschnationalen und teilweise rechtsextremen) Milieu als Wallfahrtsstätte und ist als permanenter Verstoß gegen den Staatsvertrag, welcher in Art. 4 jede Propaganda für den „Anschluss“ verbietet, zu werten.

Der großdeutsche Gedanke hinter dem „Anschlussturm“ wird in Publikationen aus dem burschenschaftlichen Milieu bis heute offen ausgesprochen. So heißt es auf der Homepage der Deutschen Burschenschaft: „So stellt sich heute der Turm als Mahnmal für die Gefallenen beider Weltkriege dar, als Museum burschenschaftlicher Geschichte und burschenschaftlichen Gedankengutes und als Erinnerungsstätte daran, dass es über die Grenzen und die Einzelstaatlichkeit hinaus ein geistiges Band gibt, welches den gesamten deutschen Volks- und Kulturraum umfasst.“
(http://www.burschenschaft.de/burschenschafterturm/burschenschafterturm.htm)

Wie ausgeprägt die Identifizierung mit dem nationalsozialistischen Angriffs- und Vernichtungskrieg offenbar nach wie vor ist, wird an einer im „Anschlussturm“ angebrachten Marmortafel deutlich. Auf dieser steht: „Gefallen – vermisst – an Wunden gestorben – vertrieben – erschlagen – in Lagern verdorben – für Heimat und Volk – weil sie Deutsche waren – so haben ihr Leben vieltausend gegeben.“ (ebd.)

Daneben ist auf den offen revanchistischen Charakter des „Anschlussturmes“ hinzuweisen: Dort befindet sich u. a. eine „Gedenkraum für die im Ersten und Zweiten Weltkrieg verlorenen Hochschulen“."

Es ist mit einem Aufmarsch von RFJlern (Ring Freiheitlicher) und BFJlern (Bund freier Jugend) zu rechnen – schon allein als Ordnerdienst/Security. Beide Gruppierungen tun sich ja mit Petitionen für die Abschaffung des Verbotsgesetzes hervor. Auch sitzen 3 führende Köpfe des BFJ in Haft, dazu kommt jetzt der lang gesuchte und in Spanien nun gefasste Neonazi Gerd Honsik.

Immer wieder ist es beliebt, Rosa Luxemburg zu zitieren um für die „Meinungsfreiheit“ und gegen das Verbotsgesetz zu argumentieren:
"Freiheit nur für die Anhänger der Regierung, nur für Mitglieder einer Partei – mögen sie noch so zahlreich sein – ist keine Freiheit. Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden. Nicht wegen des Fanatismus der 'Gerechtigkeit', sondern weil all das Belebende, Heilsame und Reinigende der politischen Freiheit an diesem Wesen hängt und seine Wirkung versagt, wenn die 'Freiheit' zum Privilegium wird."
Da bleibt nur zu sagen, Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Und ein zynisches Detail:
es waren zwei deutsche Burschenschafter, die Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordeten.

Zum Kommers:

Am Freitag, 5. Oktober war abends eine Startveranstaltung im Klosterhof geplant. Die Besitzerin des bekannten Linzer Innenstadtwirtshauses, das Stift Kremsmünster und die Pächterin - die gleichzeitig beliefernde Brauerei Stiegl - haben diese aufgrund der heftigen Protesten dagegen und wegen befürchteter Rufschädigung untersagt. Das gegen den ausdrücklichen Wunsch Wirtes und Endpächters Johann Dobersberger.

Der Eigentümer der "Stiegl Privatbrauerei", Heinrich Dieter Kiener ist jedoch "selbst Landsmannschafter/Waffenstudent in Tirol" wie aus Internetkommentaren hervorgeht. Diese Kommentator(innen?! - wohl weniger) sind sich auch der vollen Unterstützung des Kommerses durch die Brauerei sicher.

Also auch, wenn das burschenschaftliche Besäufnis nicht im Klosterhof stattfindet, ist Stieglbiertrinken im Klosterhof nicht grade antifaschistische Aktion. So wurden im Klosterhof auch schon Menschen mit Rollstuhl mit "solche wie dich brauchen wir hier nicht" rausgeworfen.

Am Samstag, 6. Oktober wird am Vormittag der Turm besichtigt.

Nachmittags wäre ein Symposium auf der Johannes Kepler Uni mit Gastredner Bernd Rabehl (ehemaliger SDSler - jetzt Gastredner bei der NPD) geplant gewesen. Dieser Plan wurde aber vereitelt, sie bekommen keinen Raum an der Uni.
Am Abend findet die Hauptveranstaltung statt: der Kommers im Palais des Kaufmännischen Vereins, – im selben Haus wie das FPÖ- nahe Brauereiwirtshaus „Josef".
Trotz mehrfacher Forderungen, den Burschen keinen Raum für die rechten Rituale zu geben, will der Kaufmännische Verein diese geschlossene Veranstaltung nicht absagen.

Am 6.10. findet eine Gegendemo „Turm(kommers) sprengen“, organisiert vom Antifa- Bündnis Linz, statt. 18h, Treffpunkt Hauptplatz.
... bitte Instrumente, Megas und Krachmachgeräte mitnehmen!!

Der Leitspruch der Arminia Cernowitz zu Linz:
„In deutscher Hand die blanke Wehr –
für Vaterland und Burschenehr’“

Die Umwandlung:
„In blanker Hand den deutschen Pimpel –
kein Vaterland, kein Burschenwimpel“

Turm(kommers) sprengen!

Für weitere Infos: turmsprengen@gmx.net
und auch: ksv@linke-liste.at

Für Infos zum Bus von Wien nach Linz: altref@oeh.univie.ac.at


Mehr Veranstaltungen, Infos... zum Thema:

Infoveranstaltung zum Turmkommers
Montag, 1.Oktober, Wien




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