GESTERN MORGEN - Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster
und die Rekonstruktion der Zukunft.
Das neue Buch von Bini Adamczak.
Buchrezension erschienen in unique 01/08
Trauerarbeit am Kommunismus
Kommunistische Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft.
Bini Adamczak geht es auch in ihrem neuen Werk um „die Re-Konstruktion einer kommunistischen Begierde.“ Die Methodik ist jedoch eine grundlegend andere: 2004 benutzte sie dafür eine „kindergerechte“ Sprache, das neue Buch hingegen ist eine geschichtliche Aufarbeitung des realen Sozialismus – aber in chronologisch umgekehrter Reihenfolge. Adamczak arbeitet sich vom Jahr 1938, beginnend mit der Auslieferung von DissidentInnen, JüdInnen und KommunistInnen an das NS-Regime durch die Sowjetunion, bis zum Jahr 1917 durch. Ihr Ziel dabei ist, festzumachen, ob es einen Punkt gibt, an dem die Konterrevolution gesiegt hat. Als solche mag die Autorin jene Kräfte verstanden wissen, die den Weg zu einem totalitären Regime geebnet und die progressiven Elemente vernichtet haben. Ihr Vorhaben ist zugleich Trauerarbeit am Kommunismus wie auch die Suche nach dem, was ihn eigentlich ausmacht, um ihn von neuem aufgreifen zu können.
Eine Conclusio im engeren Sinn darf aber nicht erwartet werden, die Autorin kreist vielmehr um das Problem und arbeitet sich ab an sämtlichen Verbrechen der Sowjetunion sowie an Einzelschicksalen von KommunistInnen, welche nicht auf Parteilinie waren.
Bini Adamczak: GESTERN MORGEN - Über die Einsamkeit kommunistischer Gespenster und die Rekonstruktion der Zukunft.
Unrast-Verlag,2007, 159 Seiten, € 12,30
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