Unter dem Slogan „Wir zahlen nicht für eure Krise“ versammeln sich Initiativen und Organisationen aus dem weiten Spektrum der globalisierungskritischen Bewegungen, aus den Sozialforenprozessen, der Ökologiebewegungen, der Frauenbewegungen;
die Zivilgesellschaft mit ihren NGOs sind ebenso zu finden wie katholische Organisationen, selbstverständlich lassen sich auch die vielen linken Kleinstgruppen (wie wir eine sind) eine Demonstration "gegen den Kapitalismus" nicht entgehn. Mittlerweile findet sich auch eine nationalistische Gruppe im Bündnis. Was kommt als nächstes?
Ist es eigentlich noch der neoliberale Kapitalismus, den die Demo kritisiert? Und insbesondere: Was soll eine Kapitalismuskritik leisten wenn sie Grundlage für emanzipatorische Schritte sein soll?
Wir arbeiten mit dieser Stellungnahme als KSV - LiLi einige Problematiken, die wir in diesem Bündnis ausmachen, heraus und rufen zur kritischen Teilnahme an der Kundgebung auf!
Ist die Arbeiterklasse heute subaltern? Oder, um es mit der Überschrift aus Gayatri Spivaks ebenso berühmtem wie berüchtigtem Text „Can the Subaltern Speak?“ zu wiederholen: „Kann die Arbeiterklasse sprechen?“ Auf den ersten Blick ist diese Frage schockierend, auf den zweiten fehl am Platz. Denn warum sollte ausgerechnet die Arbeiterklasse so radikal von gesellschaftlicher Repräsentation ausgeschlossen sein, wie es der Begriff der Subalternität verlangt? Die Frage scheint angesichts einer weltweit arrivierten Sozialdemokratie, einer Unzahl von Gewerkschaften und Arbeitervertretungen widersinnig, wenn nicht verrückt. Was bedeutet es also, die Behauptung nahe zu legen, dass die Arbeiterklasse heute schweigt?
Der vorliegende Text ist das Vorwort zur deutschen Übersetzung von G. Ch. Spivaks Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation, übers. v. Alexander Joskowicz u. Stefan Nowotny, Wien: Turia + Kant 2007 (Es kommt darauf an, Bd. 6).
von Grigat, Stephan: „Bestien in Menschengestalt“. Antisemitismus und Antizionismus in der österreichischen Linken. In: Weg und Ziel, Nr. 2, 1998 (http://contextXXI.mediaweb.at)
Wer wissen wollte, ob an der Behauptung vom linken Antisemitismus etwas dran ist, konnte seit Jahren auf eine immer umfangreicher werdende Literatur zurückgreifen. Hannah Arendt wusste schon in den fünfziger Jahren, dass es sich bei der Annahme, Antisemitismus sei ausschließlich ein Phänomen der politischen Rechten, um ein hartnäckiges Vorurteil handelt. Zum Antisemitismus bei den Frühsozialisten, zum Antisemitismus in der europäischen Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts und zum Verhältnis der marxistischen Klassiker zum Judentum liegen mittlerweile zahlreiche Studien vor. Zum Antisemitismus in den Staaten des Realsozialismus ist ebenso geforscht worden wie zum antisemitisch aufgeladenen Antizionismus der Neuen Linken in den meisten westeuropäischen Ländern oder den USA. Diese wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema korrespondierte dabei mit einer weitgehenden Abwehrhaltung der Linken selbst. Das hat sich seit einigen Jahren deutlich geändert. Die Beschäftigung mit Antisemitismus in der Linken ist chic geworden. In fast allen Städten der BRD haben in letzter Zeit ähnliche Veranstaltungen wie diese hier stattgefunden und mit „Wir sind die Guten. Antisemitismus in der radikalen Linken“ ist eine Art Szenebestseller erschienen, der es, ich werde darauf zurückkommen, den Linken ermöglicht, sich zwar mit Antisemitismus irgendwie auseinanderzusetzen, sich aber ja keinen ernsthaften Gedanken dazu zu machen.
Ein etwas älterer aber immer noch feiner Text zu Sport und Drogen in der Disziplinar- und Kontrollgesellschaft
von Diedrich Diederichsen ca. 1997
Die Truppe war ungefähr mein Alter. Zwei Typen und zwei Frauen, die nicht mehr gehen konnten und den entgegenkommenden Passanten mit den grotesk verrutschten Gesichtern anstarrten, die auf tagelang ununterbrochenes Saufen schließen lassen. Es würde gleich ein Problem geben, den Platz auf diesem Bürgersteig auf uns fünf zu verteilen. Man kann den vier Freunden ansehen, daß sie nicht zum erstenmal tagsüber und jenseits von allem hackevoll sind, aber sie sind nicht schmutzig oder verwahrlost, und ihr Outfit, ihre Frisuren, Bärte könnten als die von Berufsschullehrerinnen und Sozialarbeitern durchgehen. Ihr augenscheinliches Elend ist dennoch kein Quartals-Vatertagsexzeß. Es gehört zu einer Technik der Ausschweifung, die den heute über 35jährigen, auch wenn sie nicht süchtig sind, noch geläufig ist und die seitdem nach und nach seltener wird. Die Königsausschweifung erlebe ich gegen meinen Körper.
Die Bedeutung von Aktienmärkten für kapitalschwache Studis ist für gewöhnlich eher gering. Und wir sind da nicht alleine: Wer investiert schon in Aktien? Trotzdem ist ein fixer Bestandteil jeder Nachrichtensendung ein Blick auf die aktuellen Kursentwicklungen der heimischen und internationalen Börsenkurse. Möglichst viele grüne Pfeile bedeuten dann, dass es der Wirtschaft gut geht. Und wenn´s der Wirtschaft gut geht, geht´s uns irgendwie allen gut.
Deshalb wissen wir – wie es die Wiener KünstlerInnengruppe monochrom treffend ausgedrückt hat - „der dow jones ist das wichtigste von der welt“. So weit das neoliberale Glaubensbekenntnis.
Es kommt nicht auf die Drogen an sondern auf die Verhältnisse
Die Schlaftabletten werden der einen vom Arzt verschrieben, die andere kauft sie am Karlsplatz und lebt zwischen Aufstellen und Verchecken, Elend und Kriminal.
In Schlafmitteln wie Somnubene und Rohypnol wird Farbstoff gemischt, wenn diese für stärkere Wirkung gelutscht werden stigmatisieren sie so die Konsumierenden mit bläulich gefärbten Lippen.
„Behinderung“ ist ein modernes Wort. Es fasst alle einzelnen Erscheinungen wie Blindheit, Gehörlosigkeit und Lähmung zusammen in einer Kategorie und vernebelt dabei deren Besonderheiten mit einem Hinweis darauf, dass da etwas an irgendetwas hindert.
Heute startet die zweiwöchentliche "KSV- LiLi Lese- und Diskutierrunde". Wir wollen interessante Texte lesen und darüber diskutieren und laden alle Interessierten ein, mitzutun!
Den Beginn wird der erste Teil von Bini Adamczaks; "KOMMUNISMUS. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird" machen.
Also alle, die mit dem wunderbaren Märchen, wie die Menschen den Kommunismus suchen, einsteigen wollen in die marxsche Theorie oder sich einmal einen anderen Zugang anschauen möchten, sind herzlich eingeladen zu kommen!
Von der Utopie der sexuellen Befreiung
Wenn wir über sexuelle Befreiung nachdenken, haben wir es mit Widersprüchen zu tun. Sehr unterschiedliche Hoffnungen, aber auch Ängste sind mit ihr verbunden. Jede und jeder versteht etwas anderes darunter, jede und jeder erwartet etwas anderes von ihr.
Wir können sagen, die sexuelle Befreiung ist ein Stück Realität geworden, oder, dass sie ein Fortschritt ist.
Ebenso richtig ist aber auch, sie als gescheitertes und uneingelöstes Versprechen zu sehen.
DEM KOMMUNISMUS
GEHT ES NICHT UM EINE DIKTATUR VON MENSCHEN ÜBER MENSCHEN, SONDERN UM EINE
DIKTATUR DES WILLENS UND DER WÜNSCHE DER MENSCHEN ÜBER DIE
SACHLICH-MATERIELLEN BEDINGUNGEN IHRES DASEINS.
weil's mir jetzt nach einem langen tag vor der uni im kontakt mit
unseren (vielleicht doch nicht) WählerInnen in Erinnerung geblieben ist:
wenn diskussionen vor ort aufkommen, dann sind's ja doch die großen
alten themen. da hatte ich heute bitteschön: zwei junge und
aufgeschlossene studis, beide zeugen jehovas, die unseren themen
zustimmten und die ich dann nur noch von unserem spruch "weil beten
nicht hilft" überzeugen musste. einfache sache!
Das demokratische Ideal ist heutzutage universal und wird nirgendwo angezweifelt. Gleichzeitig ist es vollkommen verwässert. Für die Demokratie zu sein, hat keine konkrete Bedeutung mehr und lässt die verschiedensten Standpunkte zu. Die Zapatisten beschäftigen sich nicht so sehr damit, die herkömmliche Idealisierung dieses Begriffs einer Kritik zu unterziehen, als vielmehr die Nacktheit des Kaisers zu zeigen. Sie bringen mit lauter Stimme auf die Tagesordnung, was vorher ein öffentliches Geheimnis war, das viele teilten, aber nur wenige zu proklamieren wagten: die allgemeine Enttäuschung über die Wirklichkeit der Demokratie.
Revolution – dieses einmal kämpferische, mit Hoffnung und Schrecken besetzte
Wort wurde längst weichgeklopft, breitgetreten, ins Beliebige verformt. Es kann ein
neues Waschmittel ankündigen oder jede andere Ware bis hin zu Regierungshandeln:
ist die diskutierte Rentenreform nicht auch eine Revolution? Peter Hartz, ehemaliger
Vorsitzender der gleichnamigen Kommission in der rot-grünen Regierung, legte
in einem vor 2 Jahren publizierten Buch den projektierten Arbeitsplätzen diesen
Namen an: Job-Revolution.