Burschenschaften und der RFS – Rechtsextremismus an der Uni

„Bei jedem Bummel floss Blut“, schrieb der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig 1910, und meinte damit die Übergriffe deutschnationaler Burschenschafter auf jüdische Studenten während ihrer wöchentlichen Aufmärsche an der Universität Wien. Diese Übergriffe steigerten sich die kommenden Jahre und Jahrzehnte zu pogromartigen Zuständen. Schließlich erblickten die Burschenschafter im „Anschluss“ Österreichs ans nationalsozialistische Deutschland den „Traum der Deutschen Burschenschaft vom großen Reiche aller Deutschen“, wie die Verbindung Bruna Sudetia noch 1971 festhielt. Auch heute noch marschieren jeden Mittwoch um 12 Uhr die völkischen Verbindungen des Wiener Korporationsrings – trotz jahrelanger antifaschistischer Proteste – an der Rampe vor der Universität zu ihrem Bummel auf. Eine Traditionspflege, an der sich die Uni Wien nicht zu stoßen scheint.

Deutschnationale Burschenschaften stehen vor allem in Österreich für völkischen Nationalismus, NS-Verherrlichung und Holocaustleugnung. Bei diesem ideologischen Sammelsurium ist es wenig verwunderlich, dass es deutschnationale Burschenschafter waren, die sich aktiv an den nationalsozialistischen Verbrechen beteiligten. Doch auch nach 1945 sind deutschnationale Burschenschaften eine Kaderstätte des Rechtsextremismus und Neonazismus. So lässt sich kaum ein namhafter Ideologe des Neonazismus in Österreich finden, welcher nicht dem burschenschaftlichen Milieu entstammt. Sie waren maßgeblich am völkischen Südtirolterror beteiligt, welcher 21 Menschen das Leben kostete, und das erste Opfer rechtsextremer Gewalt in der zweiten Republik, Ernst Kirchweger, wurde von einem Mitglied des RFS auf einer Demonstration gegen einen antisemitischen Professor niedergeschlagen und starb wenig später an den Folgen der Attacke.

Das Innenleben von Burschenschaften liest sich wie ein Paradebeispiel für die Herausbildung autoritärer Charaktere: Es sind Burschenschafter, die sich einander in ritualisierter Form die Wangen (und oft mehr) zersäbeln; die sich in strenge Hierarchien einpassen und entlang dieser einander solange demütigen, bis keiner mehr Autorität in Frage stellt; die immer wieder Neonazis Zuflucht bieten oder gleich selber welche sind; die NS-Kriegsverbrechern als ihre „Bundesbrüder“, „Alte Herren“ und „gefallenen Helden“ gedenken; die exklusive männliche Herrschaft an den Unis in schweißig-bierdunstigem Kreis fortleben lassen. Das extrem antisemitische, homofeindliche, rassistische, elitäre und frauenfeindliche Weltbild Burschenschaften der stellt aber in Österreich leider kein isoliertes Randphänomen dar. Vielmehr sind deutschnationale Burschenschaften die Kaderstätte des hiesigen Rechtsextremismus und dienen als Scharnier zwischen der FPÖ im Parlament und dem Neonazismus der Straße. 40 Prozent der Nationalratsabgeordneten der FPÖ sind „Alte Herren“ von Burschenschaften, sie stellen eine Vielzahl der Posten in den Ministerien der schwarz-blauen Regierung, und auch sonst lässt sich – von Küssel bis zu den „Identitären“ – kein namhafter Ideologe des österreichischen Rechtsextremismus ausmachen, der nicht dem korporierten Milieu entstammt. Der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) ist der Studentische Arm der FPÖ und der deutschnationalen Verbindungen, der aktiv Kontakte bis in die Neonazis-Szene hinein pflegt.

Immer wieder zeigt sich allerdings, dass solche menschenverachtenden Ideologien nicht auf den rechten Rand beschränkt sind. So trat vor zwei Jahren besonders deutlich zutage, dass die ÖVP-nahe „Aktionsgemeinschaft“ (AG) ein Problem mit Antisemitismus, Sexismus und Rassismus hat. In einer internen Chat-Gruppe feierten Kandidaten antisemitische und NSverherrlichende Karikaturen und ließen ihrem Antifeminismus freien Lauf. Die konservativen und liberalen ÖH-Fraktionen fordern auch weiterhin eine Entpolitisierung der Unipolitik und meinen damit nichts anderes, als unsere antifaschistische Arbeit abzudrehen. Das gilt es vehement zu bekämpfen, warum der KSV-LiLi als radikal linke Fraktion auch wieder zu den ÖH-Wahlen antreten wird.

Rechtsextreme Ideologien sind keine Ideen unter anderen, sondern beinhalten immer den Anreiz zu Ausschluss, Gewalt und Verbrechen gegen jene, die nicht in ihr Weltbild passen. Um das zu erkennen reicht ein Blick in die Geschichte. Diese Ideologien zu bekämpfen heißt, nicht mit diesen in den Dialog zu treten oder sie zu ignorieren, sondern sich ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Weg zu stellen.

Doch wenn wir von Burschenschaften, der FPÖ und dieser Regierung reden, müssen wir auch die Grundlagen benennen, warum diese Ideologien so stark sind, warum die Menschen die Bereitschaft haben diese anzunehmen. Der Ohnmacht, der Konkurrenz und den falschen Spaltungen, die diese Gesellschaft hervorbringt, müssen wir die Perspektive auf einen solidarischen Aufbruch entgegenhalten. Eine Gesellschaft die frei ist von Herrschaft, Ausbeutung und Unterdrückung, in der alle ohne Angst verschieden sein können. Diese Gesellschaft gibt es nur jenseits von Staat, Nation, Patriarchat und Kapital. Für diese ganz andere Welt lohnt es sich zu streiten und zu kämpfen – gemeinsam, entschlossen, vielfältig und kreativ.
KSV-LiLi & autonome antifa [w]

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