Uni als Männerbund, Uni als Männerort?

Das herrschende Diskussionsklima in Lehrveranstaltungen ist oft direkt peinigend. Es ist vorallem durch fehlende Diskussion geprägt. Und wenn sich jemand zu Wort meldet sind es am ehesten männliche Studierende. Selbst in einem Proseminar mit 35 TeilnehmerInnen, davon 30 Frauen, sind es in der Regel die fünf Typen, die dann doch die Klappe offen haben. Die Führung in Gruppenarbeiten übernehmen automatisch: Männer. Professoren begrüßen die StudentInnen beim Eintreten in den Hörsal jovial mit:
„Kollegen“. Die Universität ist Teil des Patriarchats. Viel selbstverständlicher nehmen sich Männer im Alltag und an der Uni ihre Redezeit und ihren Raum. Geschlechtergerechte Sprache ist leider selbst auf der Uni noch selten. Was sich in der Diskussionskultur und Sprache in Lehrveranstaltungen so offensichtlich äußert, setzt sich auf allen Uniebenen fort:

Die Universität ist männerbündisch.

Die Burschenschafter mit ihren Verkleidungen und Käppchen prägen mit wöchentlichen Treffen in der Aula den Universitätsalltag. Der Aufmarsch der Käppideppen ist sichtbarstes Beispiel für die immer noch intakte Funktion der Universität als Ort der Entfaltung/Reproduktion von Männerbünden und männlicher, politischer (rechter) Eliten. Frauen unter der gläsernen Decke. 1897 studierte die erste Frau an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien (zum katholischen Theologiestudium wurden Frauen erst 1946 zugelassen). 1907 wurde Elise Richter als erste Frau habilitiert. Erst langsam stieg der
Anteil der Frauen unter den Studierenden an. Heute liegt er bei rund 60 Prozent, was aber je nach Fakultät und Studienrichtung auch variiert. Zumindest dieses Verhältnis zeigt sich gesamtuniversitär als relativ ausgewogen. Mensch sollte nun aber nicht vorschnell erwarten, dass sich auch weiterführend einiges in Sachen Gleichstellung getan hat. Gerade noch eine Gruppe eher prekär Beschäftigter, nämlich studentischer Hilfskräfte bzw. StudienassistentInnen, setzt sich zu gut einer Hälfte aus Frauen zusammen. Das ist weniger ein Zeichen erfolgreicher wissenschaftlicher Laufbahnen von Frauen an den Unis, sondern zeigt vielmehr wieder einmal, dass vor allem Frauen sich in prekären Arbeitsverhältnissen befinden. Denn eine genauere Betrachtung der Zahlen über Wissenschafterinnen in akademischen Berufspositionen macht deutlich, dass hier alles andere als Gleichstellung gegeben ist. Nur mehr weniger als 40 Prozent Frauen finden sich unter UniversitätsassistentInnen mit Doktorat, unter
den Habilitierten gibt es gar nur 17 Prozent Frauen. Und unter den ProfessorInnen sind dann überhaupt nur 11 Prozent Frauen. So richtig unerträglich wird es mitunter, betrachtet mensch die Personen in Gremien oder Leitungspositionen an der Universität Wien, bzw. deren Vorsitzende: Fast ausschließlich Männer, die dann auch gerne mal von der Universitätsleitung als „EntscheidungsträgER“ bezeichnet werden.

Zahnlose Frauenförderung?

Der an sich schon wenig ambitionierte Frauenförderplan der Uni Wien wird nicht einmal in den Mindeststandards erfüllt (etwa bei Nachbesetzungen von Professuren oder auch des Amtes der Rektorin / des Rektors, wo sich keine einzige Frau auf dem Dreiervorschlag befand). Momentan zeichnen sich sogar noch weitere Rückschritte in Sachen Frauenförderung ab. So gab es in der jetzigen Amtsperiode von Rektor Winckler etwa noch eine Vizerektorin für Personalwesen und Frauenförderung. Den Plänen von Winckler – wiedergewählt für den Zeitraum von 4 Jahren ab Herbst 2007 – zufolge, wird es diese aber im kommenden Rektoratsteam nicht mehr geben. Wie viele der wenigen weiteren Maßnahmen der Frauenförderung werden in Zukunft verschwinden?

Wie etwa die „Büste einer anonymen Wissenschafterin“, die als Kontrapunkt in dem ansonsten mit Männer-Köpfen vollgestellten Arkadenhofgang und als ein Zeichen der Sichtbarmachung von Frauen in der Wissenschaft aufgestellt und vor einiger Zeit wieder entfernt wurde. Offensichtlich also kein längerfristiges Projekt der Universitätsleitung, sich für Frauenpolitik einzusetzen. Rundum und außerhalb der Uni gibt es aber ein buntes und vielfältiges Potpourri an feministischen Initiativen, Projekten und Vereinen. Trotz Ressourcenknappheit und dem mühsamen Kampf gegen patriarchale Hindernisse und Schwierigkeiten, die leider an der Tagesordnung stehen, gibt es feministische Zeitungen, Aktionen, Bands, Feste, Frauenlesbenräume und Frauenlesbensolidarität, die den feministischen Herzen wunderbare Glücksmomente bescheren können.

KSV-LiLi kämpft für die radikale Demokratisierung der Unis, Zerschlagung von Patriarchat, Männerbünden und Hierarchien. Für echte Frauenlesbenförderung und selbstermächtigte, handlungsfähige Frauenlesbennetzwerke und: A revolution we can dance to!

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