Warum das K?

Immer wieder werden wir gefragt, warum wir immer noch den Kommunismus im Namen tragen, meist aus der rechten Ecke und als Diffamierungsversuch, doch oft auch von solidarischen Freund_innen, da uns dieser Name schaden würde. Völlig zurecht werden von solchen Leuten die Verbrechen des sogenannten „real existierenden Sozialismus“ aufgezeigt. Damit verweisen sie auf ein fundamentales Problem: Auch wenn es große Differenzen zwischen den einzelnen sozialistischen Staaten gibt, deren Analyse diesen Rahmen sprengen würde, so spielten Gewaltexzesse,Totalüberwachung und Unfreiheit eine nicht unerhebliche Rolle in der Geschichte des Realsozialismus. Die unkritische Begeisterung mancher Linker für diese Staaten können wir nicht nachvollziehen. Stattdessen denken wir, dass der autoritäre Sozialismus nie aus dem Kontinuum von Herrschaft und Ausbeutung ausgebrochen ist. Da wir eine Gesellschaft wollen, in der Ausbeutung und Herrschaft nur noch in den Geschichtsbüchern existieren, handelt es sich hier sicher nicht um unseren Kommunismus. Dass sich derart autoritäre Herrschaftssysteme im Namen des Kommunismus entwickeln konnten, halten wir ebensowenig für einen Zufall, wie die vielerorts zu verzeichnende verkitscht-linke Affinität zu solchen Gesellschaftsentwürfen. In letzterem sehen wir das Resultat einer falschen Kritik am Kapitalismus, die in der Linken – leider – immer noch sehr verbreitet ist. Das sind Leute, die sich an den grundlegend verkehrten Formen der kapitalistischen Gesellschaft nicht stören, denen aber stets Personengruppen auffallen, aufgrund deren moralisch falschen Umgangs mit ebenjenen Formen die Dinge dann doch schlecht stünden.

Einer solchen Moralisierung gesellschaftlicher Verhältnisse, die stets noch in Verfolgung mündete, setzen wir die materialistische Kritik der kapitalistischen Gesellschaft entgegen. Denn während gerade die postmaterialistische Linke, die die materialistische Kritik und den Kommunismus ja nicht zuletzt unter dem Vorwand der Erfahrung des „real existierenden Sozialismus“ fallen ließ, menschenfeindliche Ideologien wie Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Antifeminismus völlig zurecht s grundlegenden Gesellschaftskritik schon lange nichts mehr wissen will, halten wir ebenjene Phänomene für – zwar besonders widerliche, aber dennoch auch – Ausformungen und Zuspitzungen der Gesellschaft des Kapitals und seines Staates. Indem die genannten Ideologien das als schlecht Empfundene am Kapitalismus auf Personengruppen projizieren, ist es ihren Akteuren und Akteurinnen möglich, einerseits rebellisch daherzukommen und andererseits eine noch ordentlichere Ordnung einzufordern – die durch die Verfolgung der benannten Gruppen eingelöst werden soll. Wer die herrschende gesellschaftliche Ordnung umstürzen möchte, muss dies daher immer im Bewusstsein der Gefährlichkeit ihrer falschen Feinde angehen.

Diese Gesellschaft stellt die Menschen, und zwar jeden und jede Einzelne_n, vor die Wahl, sich für den Verwertungsprozess des Kapitals herzugeben oder als Lumpen in der Gosse zu enden. Für die meisten Leute bedeutet dies den Zwang zur Lohnarbeit, also wesentlich länger arbeiten zu müssen, als es notwendig wäre. Die ordnungsgemäße Ausbeutung, an der das Überleben der Einzelnen hängt, ist dabei nicht einmal garantiert – gerade in Krisenzeiten bekommen viele Menschen zu spüren, wie nichtswürdig ihr Leben und ihre individuelle Bedürftigkeit vor den Verwertungsimperativen des Kapitals ist. Einen krisenfreien Kapitalismus kann es nicht geben, wir halten einen solchen für ein bürgerliches Phantasma, das von Vertreter_innen des Liberalismus ebenso geteilt wird wie von jenen der Sozialdemokratie. Es verweist darauf, dass man unter solchen Leuten am Kapitalismus nichts auszusetzen hat, wird der Kapitalismus doch gerade dann kritisiert, wenn er vermeintlich nicht funktioniert – in Wahrheit gehört die Krise zur Funktionsweise des Kapitals. Wir könnten allerdings auch einem krisenfreien Kapitalismus nicht das Geringste abgewinnen, beruht die kapitalistische Produktionsweise doch auf Ausbeutung und Herrschaft, denen die Lohnabhängigen als Einzelne schicksalhaft ausgesetzt sind, wie sehr sie sich auch einbilden mögen, ihre individuelle Situation sei Resultat ihrer souveränen Entscheidungen. Unsere Kritik am Kapitalismus entzündet sich nicht daran, dass er nicht funktioniere, sondern daran, dass er funktioniert. Das Leid und die Zwänge, ohne die der Kapitalismus nicht sein kann, sind eben nicht das Resultat sinistrer Einzelhandlungen, sondern sind notwendige Folge eines gesamtgesellschaftlichen Zwangszusammenhangs. Die Universität ist Teil dieses gesellschaftlichen Ganzen. In ihrer Funktion als Selektionsmechanismus, verteilt sie, wie andere Bildungsinstitutionen auch, die Einzelnen auf die Hierarchie der Berufe innerhalb der Klassengesellschaft. Indem sie für die Produktion qualifizierter Arbeitskräfte und wissenschaftliche Grundlagenforschung Sorge trägt, ist sie für den Nationalstaat und sein nationales Produktionskollektiv ein entscheidender Faktor in der zwischenstaatlichen Standortkonkurrenz. Es zeigt sich in ihr daher im Kleinen, was diese Gesellschaft im Großen ausmacht: Konkurrenz, Leistungsdruck, Fadesse. Insbesonders die Sozialwissenschaften nehmen eine Doppelrolle ein: indem sie durch ihre Existenz darauf verweisen, dass diese Gesellschaft von ihrem Wesen nichts weiß, legen sie Zeugnis deren Unvernunft ab, während umgekehrt gerade im Anspruch, Wissen über die Gesellschaft herstellen zu wollen durchaus das Potential zur kritischen Aufklärung zu sehen ist. Trotz allem wollen wir versuchen, die Bedingungen politischer Praxis in einer solchen Weise zu verbessern, dass ein Bewusstsein über die Unvernunft und Menschenunwürdigkeit der herrschenden Verhältnisse möglichst große Verbreitung an und außerhalb der Universität findet.

Die Menschen stehen der kapitalistischen Gesellschaft als Einzelne zwar ohnmächtig gegenüber, sie erscheint ihnen als Schicksal. Dennoch ist sie weder an Bäumen gewachsen, noch gottgewollt. Daher gilt es, an der einfachen Forderung, dass niemand hungern, niemand Angst haben soll festzuhalten und die Möglichkeit der befreiten Gesellschaft solange zu behaupten, bis diese Wirklichkeit geworden ist. Der Name der befreiten Gesellschaft ist Kommunismus: darum nennen wir uns kommunistisch!