Was soll das K?

Selbst wenn es abgedroschen klingt: Kennzeichnend für unsere Lebensumstände ist, dass wir in einer kapitalistischen Gesellschaft leben, in der nahezu alles der Profitlogik untergeordnet wird, in der das Profitstreben über die Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung und Entfaltung der großen Mehrheit bestimmt.
Die Unterdrückung selbst hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert. Die Herrschaft wird um vieles subtiler durchgesetzt und durch den beständigen Zwang zur Selbstverwertung und Konkurrenz abgesichert. Dennoch darf nicht übersehen werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung in unseren westlichen Gesellschaften einen Lebensstandard erreicht hat wie nie zuvor in der Geschichte. Die Qualität dieses Lebensstandards muss dennoch hinterfragt werden. Es existieren zwar Konsumgüter in rauen Mengen, werden jedoch unter Umständen produziert, die durch die maximale Ausbeutung von Mensch und Natur charakterisiert sind. Sie dienen auch kaum der Befriedigung von Bedürfnissen wie Selbstentfaltung und Persönlichkeitsentwicklung. Und selbst dieser rein konsumorientierte Lebensstandard, der nicht in der Lage ist, wirkliche Lebensqualität zu garantieren, ist nur für einen minimalen Teil der gesamten Menschheit zugänglich. Die neue Armut greift auch in der industrialisierten Welt um sich, immer mehr Menschen kämpfen um grundlegende Sicherheiten wie Nahrung oder Wohnen.

Noch trister wird das Bild bei der Betrachtung des Trikonts. Die Lebensumstände der dort lebenden Menschen sind nicht Realitäten, die von unserer eigenen Lebenswelt losgelöst betrachtbar sind, sondern sie werden durch die bestehende Weltordnung, durch die Ausbeutung der sogenannten Entwicklungsländer durch die industrialisierte Welt erst erzeugt und ständig reproduziert. Die tausenden im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge sind dabei nur ein Aspekt des kapitalistischen Normalvollzuges, an den sich die Öffentlichkeit eigentlich schon gewöhnt hat und der im europäischen Zentrum bestenfalls zu scheinheiligen offiziellen Gedenkminuten führt.

Der so “siegreiche” und “unschlagbare” Kapitalismus beginnt zu ächzen und zu stöhnen. Einst gefeierte neoliberale Vorzeige-Wirtschaftsblöcke in Südostasien und Lateinamerika brechen zusammen, ebenso die in den letzten Jahren in die EU/EWR integrierte europäische Peripherie in Süd- und Osteuropa. Gewinn bringende Firmen werden geschlossen, sobald woanders höhere Gewinne erwartet werden und die Sozialdemokratie ersetzt den Klassenkampf durch einen globalen Standortkampf. Gleichzeitig verliert sie ihre Wähler_innen an populistische Biertisch-Prophet_innen. Um Arbeit muss gebettelt werden. Die Profitlogik beginnt langsam die Menschen physisch zu manipulieren und gewinnmaximierende Körper zu formen. Menschen können re- und produziert, kontrolliert, medial manipuliert, überwacht, ausgeschlossen, eingeschlossen und patentiert werden. Schlagworte wie Terrorbekämpfung, Lauschangriff, Meinungsmonopol, Rasterfahndung, Schengenland und Schubhaft markieren den Weg. So sieht also das „Ende der Geschichte“ (Fukuyama) aus.

Während für manche Menschen Widerstand dort aufhört, wo nicht direkt antisemitische und faschistoide Losungen propagiert werden, setzen wir unsere Kritik früher ein. Wir meinen, dass dieses System, und nicht „der Kommunismus” veraltet ist. Es ist uns schon bewusst, dass der Begriff Kommunismus selten in einem positiven Kontext verwendet wird. Kommunismus gilt als Staatsbürokratie, Terror, Einparteiendiktatur, unwirtschaftlich und gleichmachend. Kommunismus hat in der Geschichte, v.a. auch dank der herrschenden Definitionsmacht, einen radikalen Bedeutungswandel durchgemacht. Nachvollziehbarerweise hat der Begriff auch einen schlechten Beigeschmack durch den letzten realen Versuch erhalten.

Wir nennen uns kommunistisch, trotz alledem. Das K in unserem Namen steht dabei für einen Kampf um eine klassenlose Gesellschaft, in der jede Form der sozialen, gesellschaftlichen, geschlechtlichen oder rassistischen Unterdrückung ausgeschlossen ist, in der die freie Entfaltung jedes_r Einzelnen die Bedingung der freien Entfaltung aller ist und umgekehrt:

“Der Kommunismus unterscheidet sich von allen bisherigen Bewegungen dadurch, dass er die Grundlage aller bisherigen Produktions- und Verkehrsverhältnisse umwälzt und alle naturwüchsigen Voraussetzungen zum ersten Mal mit Bewusstsein als Geschöpfe der bisherigen Menschen behandelt, ihrer Naturwüchsigkeit entkleidet und der Macht der vereinigten Individuen unterwirft” (Karl Marx, MEW 3, 70)

Und dazu stehen wir. Immer noch. Kommunismus bedeutet nicht Bürokratie, sondern Freiheit von herrschenden Zwängen, die sich v.a. auch in den Eigentumsverhältnissen an Produktionsmitteln herauskristallisieren.
Kommunismus ist keine Einparteiendiktatur, sondern die vollkommene Form der Demokratie. Mit dem Ziel des “Absterbens des Staates” bis hin zur Abschaffung jeglicher politischer Herrschaft, so utopisch das auch klingen mag. Kommunismus ist nicht unwirtschaftlich, sondern die gleiche und gerechte Verteilung der Produktionsmittel und deren Erträge. Im Kapitalismus “ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert” (Marx). Solange ein geringer Prozentsatz der Bevölkerung dieser Erde auf Kosten aller anderen lebt, kann mensch doch kaum von einem “funktionierenden” Wirtschaftssystem sprechen.
Es geht nicht um Enteignung, sondern um gleiche Beteiligung. Es geht uns nicht um Gleichmacherei, sondern um Gleichberechtigung. Wir wollen die Abschaffung von Ungerechtigkeiten, gleichgültig ob aufgrund des Geschlechts, der Klasse, einer willkürlich angenommenen “Rasse” oder einer anderen, von der gesellschaftlichen “Norm” abweichenden Lebensweise.

Für eine gerechte Welt lohnt es sich zu kämpfen, glauben wir und halten uns an Brecht, wenn er meint: “Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.” Die Notwendigkeit zu einer revolutionären Wiederaneignung der gesellschaftlichen Produktion durch die produzierenden Individuen rührt daher, dass der Kapitalismus sich grundsätzlich nicht selbst aufheben und humanisieren kann; er bleibt zwangsläufig, trotz aller Wandlungen, die er vollzieht‚ die Negation der lebendigen Individuen und der lebendigen Natur. Diese Revolution kann auf verschiedene Weise erfolgen. Höchstwahrscheinlich nicht im Stile der russischen Oktoberrevolution von 1917. Dafür wird das Ergebnis hoffentlich auch länger als 75 Jahre bestehen bleiben.

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